TK-Pressemitteilung: Kliniken liefern Zahlen zu vierfach resistenten Klinikkeimen

 27.06.2016

Kliniken liefern Zahlen zu vierfach resistenten Klinikkeimen



Stuttgart, 27. Juni 2016. Die in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr gestartete Initiative, mehr Transparenz beim Thema „Klinikkeime“ herzustellen, bringt nun erste Ergebnisse. Die Auswertung für das zweite Halbjahr 2015 hat nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) ergeben, dass bei 416 Patientinnen und Patienten sogenannte gramnegative Erreger gefunden wurden, die gegen alle vier klinisch relevanten Antibiotikagruppen (4MRGN) resistent sind. Die Meldepflicht für Kliniken wurde im Jahr 2015 auf solche 4MRGN-Keime ausgeweitet. Die TK bezieht sich dabei auf Angaben der Geschäftsstelle Qualitätssicherung im Krankenhaus (GeQiK) in Baden-Württemberg.


Insgesamt 63.000 Risiko-Patienten in 187 Kliniken wurden „gescreent“, also untersucht, ob eine Besiedlung mit den Keimen vorliegt. Das sind etwa sechs Prozent aller Patienten. Bei 127 von den 416 Patienten ist der gefährliche Keim „Acinebacter baumannii“ nachgewiesen worden. Experten gehen davon aus, dass es bei über 20 Prozent der davon betroffenen Patienten zu einer Infektion kommt, die dann mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr bekämpft werden kann. Es handelt sich dabei um Wundinfektionen, Blutvergiftung, Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Harnwegsinfektionen, die nicht selten tödlich enden. Neben den Baumannii-Bakterien wurden vor allem Kolibakterien und andere im menschlichen Darm vorkommende Bakterien entdeckt.

„Das Screeningverhalten der Krankenhäuser ist noch sehr unterschiedlich. Es ist das Ziel des Qualitätssicherungsverfahrens, neben mehr Transparenz strukturierte Screening-Maßnahmen in den Kliniken zu etablieren“, sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Voraussichtlich ab dem kommenden Jahr werden Spezialisten der Arbeitsgruppe „Multiresistente Erreger“ (MRE) mit Kliniken, die kein Screening bei Risikopatienten gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts durchführen, in einen sogenannten „Strukturierten Dialog“ treten. „Die Selbstverwaltung in Baden-Württemberg leistet hier einen beachtlichen Beitrag zum Patientenschutz, der bundesweit als Vorbild dienen kann“, so Vogt.

Nach Angaben der TK haben die gramnegativen Keime im Jahr 2014 in Baden-Württemberg zu 4072 stationär behandelten Blutvergiftungen geführt, im Vergleich zu 2013 ein Anstieg um über elf Prozent, im Vergleich zu 2011 sogar um über 30 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt).
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