TK-Pressemitteilung: Schmerzmittel in vielen Flüssen nachweisbar

 03.09.2015
Stuttgart, 3. September 2015. Der gestiegene Arzneimittelverbrauch macht sich auch in den Gewässern in Baden-Württemberg bemerkbar. Wie aus einer aktuellen Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der SPD hervorgeht, liegt die Konzentration des häufig verwendeten Schmerzmittelwirkstoffs Diclofenac in fließenden Gewässern an rund 70 Prozent der Messstellen im Land über der Umweltqualitätsnorm für Oberflächengewässer. Das berichtet die Landesvertretung Baden-Württemberg der Techniker Krankenkasse (TK).

Die Werte wurden laut Umweltministerium ab dem Jahr 2012 im Rahmen eines Sondermessprogramms ermittelt, bei dem ein Jahr lang insgesamt 17 Fließgewässer auf Rückstände von Arzneimitteln und Röntgenkontrastmitteln untersucht wurden. Zudem werden seit 2006 die vier Flüsse Neckar, Rhein, Donau und Körsch regelmäßig überprüft. An drei Messstellen wurde das Antibiotikum Clarithromycin in einer Konzentration über der Umweltqualitätsnorm nachgewiesen.



Das Grundwasser wurde nach Angaben des Umweltministeriums im Mai 2013 an 57 Messplätzen untersucht. Auch hier wurde zum Teil das Schmerzmittel Diclofenac gefunden - aber ebenso wie das Antiepileptikum Carbamazepin und zwei Röntgenkontrastmittel in einer so niedrigen Dosis, dass nur an einer Stelle ein sogenannter "gesundheitlicher Orientierungswert" überschritten wurde. "Dieser Wert wird so niedrig angesetzt, dass auch bei lebenslanger Aufnahme der Substanz kein Anlass zur gesundheitlichen Besorgnis entsteht", heißt es in der Stellungnahme des Umweltministeriums.



Die TK weist darauf hin, dass Arzneimittel nicht über die Toilette oder den Ausguss in das Abwasser gespült werden sollten. "Nicht verwendete Arzneimittel gehören in den Restmüll, der mittlerweile fast in allen Kommunen verbrannt wird", sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Die Menge der verordneten Schmerzmittel hat in Baden-Württemberg nach Angaben der TK in den letzten zehn Jahren um rund ein Fünftel zugenommen. "Es ist wichtig, dass Patienten sich genau erläutern lassen, in welcher Dosierung sie ihr Medikament einnehmen sollen. Ziel sollte sein, dass die verordnete Menge für den Patienten passt und so Arzneimittel gar nicht erst im Müll landen", betonte Vogt.



Ganz vermeidbar sind Arzneimittelrückstände im Abwasser jedoch nicht, da die Wirkstoffe vom Körper auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden werden. Hier kann die Klärtechnik einen wichtigen Beitrag zu Lösung des Problems leisten. Laut Umweltministerium sind in Baden-Württemberg derzeit zehn kommunale Kläranlagen mit einer vierten Klärstufe ausgerüstet. Darin werden Arzneimittelrückstände durch Aktivkohle reduziert. Weitere Anlagen seien derzeit in Bau oder Planung. Nach deren Fertigstellung könnten 20 Prozent der Abwassermenge im Südwesten mit Aktivkohle geklärt werden.

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