TK schlägt neues Honorarsystem für Ärzte vor

 01.07.2014
Stuttgart, 25. Juni 2014.

Die Honorierung für niedergelassene Ärzte bietet immer wieder Anlass für Unzufriedenheit und Diskussionen ‒ zwischen Kassen und Ärzten ebenso wie innerhalb der Ärzteschaft. Die Techniker Krankenkasse (TK) hält diesen Zustand auf Dauer nicht für tragfähig. Eine gute Alternative ist aus Sicht der TK die Abkehr von den derzeit überwiegend pauschalierten Honoraren und die Hinwendung zu einzeln vergüteten ärztlichen Leistungen.

"Das derzeitige Vergütungssystem ist intransparent, überaus komplex und verwinkelt", sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. "Es setzt außerdem zu wenig Anreize, die richtige Leistung zum richtigen Patienten zu bringen".

Ein alternatives Modell mit sogenannter Einzelleistungsvergütung hat nun das Berliner IGES Institut für die TK entwickelt. Es sieht eine Trennung der Vergütung in Fixkosten und variable Kosten vor. Die einzelnen Leistungen werden definiert und mit einem Preis versehen, der vor jedem Quartal bekannt ist und nicht nachträglich reduziert wird.

Die variablen Kosten, in denen auch der "Arztlohn" enthalten ist, werden für alle erbrachten Leistungen vergütet, die Fixkosten (z.B. Praxisausstattung) nur so lange, bis sie gedeckt sind. Damit sinkt der Anreiz unnötiger Mengenausweitung. Gleichzeitig erhöht sich die Planbarkeit und Transparenz für die Ärzte.

Die TK in Baden-Württemberg lädt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und weitere Krankenkassen im Südwesten ein, das Modell gemeinsam zu erproben. "Baden-Württemberg ist als großes Bundesland mit gut funktionierender Selbstverwaltung für eine Vorreiter-Rolle geradezu prädestiniert", so Vogt.

"Wir wollen Patienten zu einer besseren Versorgung und Ärzten zu mehr Zufriedenheit verhelfen. Deshalb können wir uns eine Einzelleistungsvergütung gut vorstellen. Sie muss natürlich so gestaltet sein, dass die Ausgabenentwicklung dennoch beherrschbar bleibt", betonte Vogt. Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass eine Einzelleistungsvergütung mit geeigneten Begrenzungsinstrumenten keine Kostenexplosion in der ambulanten Versorgung hervorrufe. Zudem sei sie ein wichtiger erster Schritt, um die Systeme der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung zusammen zu führen.

Hinweis für die Redaktionen
Rund 30 Milliarden Euro zahlen die Krankenkassen jedes Jahr für die niedergelassenen Ärzte in Deutschland, davon vier Milliarden in Baden-Württemberg. Die Gelder werden von den KVen unter den 150.000 Ärzten (davon 17.000 in Baden-Württemberg) verteilt.

Quelle:
Techniker Krankenkasse
Landesvertretung Baden-Württemberg
Presselstraße 10, 70191 Stuttgart
www.tk.de/lv-badenwuerttemberg




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