Wenn´s im Bauch grummelt

 27.10.2013
Florian, ein Schüler der Klasse 6 c, ist ein munterer, aufgeweckter, höflicher Schüler. Einer jungen Lehrerin fällt auf, dass Florian bei jeder sich bietenden Möglichkeit aufsteht, um die Tür zu öffnen, die Tafel zu putzen oder die Fenster zu öffnen und wieder zu schließen. Beim Elternsprechtag spricht sie die Mutter auf ihre Beobachtung an, die daraufhin ihren Kinderarzt konsultiert. Ein H2-Atemtest bestätigt die Diagnose: Fruktosemalabsorption und Laktoseintoleranz, eine Zöliakie wird ausgeschlossen.

Lehrer verbringen täglich viele Stunden mit ihren Schülern, wobei ihnen immer wieder Verhaltensweisen auffallen, die ihnen vielleicht merkwürdig / unerklärlich erscheinen mögen. Wie der eingangs geschilderte Fall zeigt, können sich dahinter durchaus Lebensmittelunverträglichkeiten verbergen.

Was versteckt sich nun hinter diesen oben genannten Begriffen?

Fruktosemalabsorption

Dahinter verbirgt sich eine Verdauungsstörung für Fruchtzucker. Die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Dünndarm ins Blut (GLUT-5-Transporter) ist gestört. Somit gelangt die Fruktose in den Dickdarm und wird dort von den Darmbakterien zu Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan verarbeitet.
Bei zusätzlichem Zuckeralkoholangebot von Sorbit, Xylit, Mannit u.a. wird zusätzlich noch der GLUT-5-Transporter blockiert. So werden die Symptome weiter verstärkt
Die Folge: Bauchschmerzen bis hin zu -krämpfen, Blähungen und Durchfall, Verstopfung. Des Weiteren sind zu beobachten: deutlich hörbare Darmgeräusche, Stuhl mit wechselnder Konsistenz, Druckgefühl im Oberbauch, Magenschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen.

Bei der Diagnose H2-Atemtest erhält der Patient 25 g Fruchtzucker in Wasser gelöst zu trinken. In Abständen von jeweils 20 Minuten über einen Zeitraum von zwei (besser drei) Stunden wird die H2-Konzentration im Atem gemessen. Bluttests und sog. Eliminationsdiäten sind nicht aussagekräftig.
Fruchtzucker ist in größeren Mengen enthalten in: Obst, Obstsäften, Honig, Agavendicksaft, Birnen-, Apfeldicksaft, Wellnessgetränken, aromatisierten Mineralwässern und auch einigen Gemüsesorten. Auch sollten Zuckeralkohole möglichst gemieden werden.


Laktoseintoleranz = Milchzuckerunverträglichkeit

Sie ist gekennzeichnet durch das Fehlen des Enzyms Laktase. Dadurch kann der Milchzucker im Dünndarm nicht gespalten werden. Dieser gelangt in den Dickdarm und wird dort von den Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren, Kohlendioxid und Wasserstoff verstoffwechselt. Die Beschwerden sind ähnlich wie bei der Fruktosemalabsorption.
Die Diagnose wird ausschließlich mit dem H2-Atemtest mit 50 g Laktose gestellt. Ein Bluttest gibt nur Auskunft darüber, ob die Veranlagung zur Laktoseintoleranz vorhanden ist, nicht aber, ob der Milchzucker zu diesem Zeitpunkt vertragen wird oder nicht.

Achtung: auch hinter folgenden Begriffen versteckt sich Laktose: Magermilchpulver, Molkenpulver, Molkereierzeugnisse, Trockenmilch, Milchzucker/Laktose ist deklarationspflichtig! Laktose wird in der Lebensmittelindustrie gerne verwendet, da sie Lebensmittel sämig macht; sie ist enthalten in Fertig- und Halbfertiggerichten, in Gewürzmischungen, Cremesuppen, Salatkräutermischungen und auch Wurst- und Fleischprodukten. Laktose in Medikamenten enthält nur geringe Mengen, muss daher nur selten beachtet werden. Schokolade mit sehr hohem Kakaoanteil ist meist laktosefrei. Die Symptome bessern sich bei beiden Erkrankungen in kurzer Zeit.


Zöliakie (früher Sprue)

Zöliakie, eine Autoimmunerkrankung, zeigt sich als chronische Erkrankung des Dünndarms, bei der das Klebereiweiß Gluten, wie auch das Gliadin im Weizen, lebenslang unverträglich bleibt. Die Aufnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln löst bei Betroffenen stets eine Entzündung aus, in deren Folge sich die Darmzotten zurückbilden. Als Folge können Mangelerscheinungen wie beispielhaft Osteoporose, Anämie sowie weitere Autoimmunerkrankungen auftreten. Gluten kommt in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer vor ebenso in Einkorn, Emmer und Kamut als Urformen des Weizens und im Grünkern.

Klassische Symptome - aus: DZG-Online

  • 98% Gedeihstörung

  • 86% Vorgewölbter Bauch

  • 50% Durchfälle

  • 10% Verstopfung

  • 46% Appetitlosigkeit

  • 65% Erbrechen

  • 65% Blässe

  • 43% Muskelschwäche

  • 56% Misslaunigkeit, Müdigkeit, Wesensveränderung

Auch bei älteren Kindern können diese Symptome auftreten, unspezifischere Beschwerden sollten jedoch auch eine entsprechende Diagnostik zur Folge haben.
  • Verzögerte Pubertätsentwicklung

  • Kleinwuchs

  • Rezidivierende Bauchschmerzen

  • Durchfälle, Verstopfung

  • Zahnschmelzdefekt

Diagnosestellung:

  • Bluttest auf Transglutaminase-Antikörper, Endomysium-Antikörper, Gesamt-IgA, evtl. Gliadin-Antikörper

  • obligatorisch: Dünndarmbiopsie

Die Behandlung erfolgt mit einer konsequenten lebenslang einzuhaltenden, strengen glutenfreien Ernährung.

Wertvolle Informationen dazu liefert die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. ( www.dzg-online.de ) insbesondere der Flyer zum Downloaden: "Zöliakie und Schule"

Wer sich für eine qualifizierte und produktneutrale Ernährungstherapie interessiert findet deutschlandweit Ansprechpartner unter: www.quetheb.de

Nach einer qualifizierten Ernährungstherapie verschwinden Florians Verhaltensauffälligkeiten im Unterricht, er fühlt sich absolut wohl. In der 7. Jgst. fährt Florian ins Skilager und isst die normale Verpflegung – und die früheren Beschwerden treten wieder auf.

Die Autoren Dr. Gabriele Binner, praktizierende Ernährungsmedizinerin, und Daniela Kluthe-Neis, selbständige Ernährungstherapeutin, setzen sich ehrenamtlich bei QUETHEB e. V. deutschlandweit für eine qualitätsgesicherte Ernährungstherapie ein.

Quelle:
Daniela Kluthe-Neis
Kohlgasse 4
89073 Ulm
Telefon 07 31 95 08 436
Fax 07 31 95 08 437
www.ernaehrung-ulm.de

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